Der Hohentwiel ist außergewöhnlich.

Er ist Markenzeichen und Wegmarke.

Der Hohentwiel ist einer der historisch bedeutendsten Berge der Bodenseeregion und Mitteleuropas. So ließen sich schon frühgeschichtliche Siedler in seiner Nähe nieder und immer wieder rangen lokale Machthaber und europäische Großmächte um den Berg.

Bild: Ekkehard und Hadwig im Hohentwiel, den Virgil lesend
Bild: „Ekkehard und Hadwig im
Hohentwiel, den Virgil lesend",
skurriles Stück aus der Postkarten-
sammlung des Stadtarchivs

Bereits im Jahre 915, als der Hohentwiel mit seiner urkundlichen Ersterwähnung aus dem Dunkel der Geschichte hervortrat, diente die Burg als Wohnsitz Herzog Burkhards III und seiner Gemahlin Hadwig. Durch Scheffels Roman "Ekkehard" ist deren Geschichte noch heute lebendig.

In diesem Jahr wurde die Burg von einem der mächtigsten Männer Europas, König Konrad I., belagert. Durch die erfolgreiche Verteidigung des Hohentwiel konnten sich Adelige der Region zu Herzögen aufschwingen. Ihre Nachfolger waren unter anderem die Staufer, die dem Herzogtum Schwaben das Drei-Löwen-Wappen hinterließen, welches heute das Wappen Baden-Württembergs ist. So ist 915 auch eines der Geburtsjahre des Bundeslandes Baden-Württemberg.

Der Schwabenherzog Burchard und seine Frau Hadwig stifteten ein Kloster, das aber bald schon nach Stein am Rhein verlegt wurde. Hadwig war eine der ersten Frauen im Deutschen Reich, die in die große Politik eingriff.

Zwei Kaiser regelten ihr Erbe, einer davon kam sogar persönlich zwei Mal an den Hohentwiel! Später stritten sich Anhänger des Kaisers und des Papstes um den Berg. Dann sicherten sich die Habsburger dort Einfluss, ehe im 15. Jh. auch die Schweizer den Hohentwiel unter ihre Kontrolle bringen wollten.

Ab 1521 nutzten die Herzöge von Württemberg die Burg. Beim Ausbau zur modernen Festung wurden sie von Frankreich unterstützt.

Der Hohentwiel im 30-jährigen Krieg
Der Hohentwiel im 30-jährigen Krieg

Im 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 kämpften Habsburger, Württemberger, Schweden und Franzosen um die Festung. Die Bündnisse wechselten und Kommandant Major Konrad Widerholt diente gegen Ende des Krieges sogar dem französischen König. Er verteidigte die Festung in fünf Belagerungen und konnte sie 1650 unbezwungen seinem Herzog Eberhard III von Württemberg zurückgeben.

Nach 1700 diente die Festung als Strafplatz für wichtige Staatsgefangene, bis sie 1801 von den Franzosen durch Sprengung zerstört wurde.

1945 wurde die Ruine noch einmal von französischen Soldaten beschossen.

Erst im Jahre 1969 wurde die im Besitz des Landes Baden-Württemberg befindliche Enklave in die Gemarkung der Stadt Singen eingegliedert.

Heute steht die Ruine nicht nur für Touristen und Historiker im Blickpunkt – auch Einheimische nutzen die Festung als stimmungsvollen Rahmen für Feierlichkeiten wie das alljährlich stattfindende Hohentwiel-Festival.

Nichts könnte eindrucksvoller den Wandel der europäischen Geschichte belegen, als dieser friedliche Ansturm auf einen Berg, der geschichtlich, geologisch und naturkundlich einmalig ist im Herzen Europas!