Roman Signer (geb. 1938)

Brunnenstube, 2000

Metall, Wasser
Ehemaliges Wasserreservoire am Ambohl
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Der in St. Gallen lebende Roman Signer zählt seit den frühen 70er Jahren zu den bedeutendsten, international beachteten Konzept- und Aktionskünstlern der zeitgenössischen Avantgarde. Im Zentrum seiner künstlerischen Intentionen steht immer der Wille zur Sichtbarmachung von Entstehungsvorgängen und Erfahrungsmomenten . Sein Werk definiert sich vorrangig durch das Ereignis der stattfindenden Aktion und lebt vom Anspruch auf Authentizität.

Gleiches gilt für seine orts- und situationsbezogene Rauminstallation „Brunnenstube“, die im Rahmen des Kunstprojektes zur Landesgartenschau 2000 im ehemaligen, 1903 im neoromanischen Stil erbauten Wasserreservoire realisiert wurde. Als künstlerisches Medium dominiert das Element Wasser in seinen unterschiedlichen Zuständen und Erscheinungsformen das Schaffen des Schweizers. In der engen, fensterlosen Kammer fällt ein Wasserstrahl von der Decke auf einen Metalltisch, spritzt von dort auf zwei Metallstühle und setzt nach und nach den übrigen Bodenbereich unter Wasser. Im Dämmerlicht entsteht eine vibrierende Klangsphäre, ein Plätschern und Klatschen, das beim Betrachter einerseits ein meditativ-sakrales Raumgefühl auslöst, ihn andererseits durch die dumpfen Schwingungen der Metallflächen in eine unruhige Stimmung versetzt.

Die schlichte Installation thematisiert das Wirken der Naturkräfte und sensibilisiert den an der Aktion direkt beteiligten Besucher für die besonderen optischen und akustischen Ausdrucksqualitäten des Wassers, dem ursprünglichsten aller Naturstoffe. Die symbolhafte Bedeutung von Wasser als Lebenselixier, Reinigung und Bewegungsfaktor aber auch als Motiv der Unbeherrschbarkeit und des Zerrinnens wirken zusätzlich in den emotionalen Wahrnehmungskontext der Arbeit hinein. Signers Werk betont das Wandelbare und Unvollendete, ist geprägt von dem Bestreben, zeitliche Dauer als fließendes Kontinuum und metaphorischen Prozess zu veranschaulichen. Beim Verlassen des Raumes trägt der Besucher Erinnerungsspuren des Werkes als Wasserspritzer auf Kleidung und Schuhen mit sich. Durch die Installation konnte die fast ein ganzes Jahrhundert für die Öffentlichkeit unzugängliche Brunnenstube als atmosphärisch-sinnlich erlebbarer Ereignisort wieder geöffnet werden.

Text und Redaktion: Kunstmuseum Singen.

 


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