Künstler der Höri von 1933 bis ca. 1960

Die Werke der Höri-Künstler bilden den wertvollen Kern der Singener Kunstsammlung.
Es ist die Besonderheit des Singener Bestandes, dass nahezu alle Höri-Künstler mit Werkgruppen vorgestellt werden können. Aus diesem zentralen Bestand entwickelte sich die weitere Sammlungs-, Ausstellungs- und Forschungstätigkeit.

Um 1900 entdeckten zahlreiche Dichter und Schriftsteller, darunter Hermann Hesse, die Bodenseehalbinsel Höri. Ihnen folgten am Ende des 1. Weltkrieg einige Maler nach.

In Abkehr von den großen Städten suchte diese erste Generation der Höri-Künstler, welche noch ganz in der Tradition des Pleinairs und der tradierten Landschaftsmalerei stand, ländliche, unverbrauchte, südlich geprägte Motive.


Curth Georg Becker
Portrait Hans Purrmann, 1960/61
 

Walter Herzger
Stillleben mit Fisch, um 1965
 

Jean Paul Schmitz 
Motiv aus Paris, 1958


Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte 1933 die Diffamierung aller moderner, abstrakter und expressiver Kunst als „entartet“ ein. Ideologischer Druck, der mit Entlassungen aus Lehrämtern einherging, die Not in den vom Bombenkrieg bedrohten Städten und die bessere Versorgungslage veranlassten zahlreiche Künstler, die nicht emigrierten, oder deren Ehefrauen, sich in ländliche Regionen zurückzuziehen.

Die entlegene Höri wurde, auch der Nähe zur Schweiz wegen, ein bevorzugtes Refugium. Zuerst kamen Otto Dix, Max Ackermann, Hugo Erfurth, Erich Heckel, Gertraud Herzger-von Harlessem, Helmuth Macke und Ferdinand Macketanz.


Otto Dix, Grüne Landschaft, 1948

Walter Kaesbach, der 1933 entlassene Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, der sich in Hemmenhofen niedergelassen hatte, war ein entscheidender Vermittler. Im bzw. nach dem Krieg zogen Curth Georg Becker, Walter Herzger, Hans Kindermann, Jean Paul Schmitz, Rudolf Stuckert und Rose-Marie Schnorrenberg auf die Höri. Sie alle machten die Höri als Künstlerort berühmt.

Wenn auch die Düsseldorfer Akademie und der „Rheinische Expressionismus“ vielen Künstlern gemeinsam waren, so handelt es sich dennoch um keine Künstlerkolonie.
Äußerer Nöte wegen trafen sie an einem Ort zusammen; ihre erfolgreichen wie vielversprechenden Karrieren wurden unterbrochen. Obwohl sie sich halfen und in Ausstellungen nach '45 zusammen fanden, grenzten sich diese Einzelgänger künstlerisch voneinander ab.
Mehr Schicksals- als Stilgemeinschaft, löste sich die „Gruppe“ nach Wegfall der äußeren Bedrückung bis ca. 1960 zusehends auf.


Max Ackermann, o.T. 
(2. VI. 1965)

Julius Bissier,
o.T. (8.12.1957)

Ferdinand Macketanz, Lucia, 1960


Parallel zum Rückzug der Höri-Künstler übersiedelten weitere Maler an den Bodensee oder suchten dort zeitweise befreundete Künstler und Sammler auf.
Auch von diesen finden sich Werke in der Singener Sammlung, so u.a. von: Julius Bissier, Elisabeth und Fritz Mühlenweg, Willi Müller-Hufschmid, Hans Breinlinger, Berthold Müller-Oerlinghausen, Ernst Hassebrauk, Georg Muche oder Werner Gothein.

Künstler wie Hans Purrmann oder William Straube, die sich schon vor '33 am See aufhielten, standen mit den genannten in losem Kontakt. Heimische Künstler wiederum nahmen Einflüsse auf, wie z.B. Karl Osswald aus dem spätexpressionistischen Werk von Otto Dix.


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