Guido Nussbaum (*1948)

Standort Innenstadt

Achtung Bauarbeiten - Die Singener Variationen / Schilderbouquet, 2000

Installation aus Baustellenschildern
Siebdruck auf Aluminiumblech
29 x 29 x 29 cm (Schild), Höhe 400 / 350 / 300 cm
August-Ruf-Straße / Georg-Fischer-Straße
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Im Zuge des internationalen Kunstprojektes zur Landesgartenschau schuf der in Basel lebende Künstler Guido Nussbaum die zweiteilig konzipierte Installation „Achtung Bauarbeiten“ und „Schilderbouquet“, bestehend aus insgesamt 20 gestalterisch überarbeiteten Signalschildern für Baustellen. 
 
Vier, drehbar montierte Einzelschilder begrüßen den vom Bahnhof kommenden Besucher beim Eintritt in die Innenstadt. Die übrigen 16 Schilder sind auf der Verkehrsinsel am Kreuzungspunkt der Georg-Fischer-Straße mit der Güterstraße im Industriegebiet in einer großen Steingussvase zu einem monumentalen Bouquet arrangiert.


Standort Südstadt

Die künstlerisch modifizierten Motive zeigen anstelle herkömmlicher Bauarbeiterfiguren ungewöhnliche, aus dem allgemein bekannten Wahrnehmungs-kontext befreite und nicht länger auf die Hinweisfunktion für Baustellen bezogene Handlungen wie „Singen“, „Nachdenken“, „Bäumchen pflanzen“ oder „Vögel beobachten“. Im Unterschied zu den amtlichen, im deutschen Straßenverkehr gebräuchlichen Schildersignalen wählte Nussbaum die Schweizer Variante mit zwei Schutthaufen als Ausgangspunkt seiner Variationen.

Die vertikal gestufte Abfolge der Schilder am Abgang zur ehemaligen Fußgängerunterführung in der Singener Innenstadt liest sich wie die Illustration eines Bühnenauftrittes und betont dadurch die Portalsituation des Ortes. Das große Bouquet im Verkehrsstrom der Georg-Fischer-Straße versteht sich als poetisch-kritischer Kommentar auf den dichten „Schilderwald“, mit dem wir uns heute tagtäglich konfrontiert sehen, aber auch als listiges Denkmal auf den Arbeiter.

Nussbaums Bildzeichen stiften Verwirrung, sie erscheinen mehrdeutig und rätselhaft. Im Kontext ihrer Aufstellungsorte entfällt ihr Warncharakter, ihr Nutzen für die Verkehrsregelung. Der Künstler hinterfragt die Wirklichkeit von Bildern und die Wirkungsweise von Botschaften. Ironisch interveniert er in den öffentlichen Raum und treibt ein hintergründiges Spiel mit etablierten Sehgewohnheiten und Wahrnehmungsmustern.

Text und Redaktion: Kunstmuseum Singen


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